Tag: Volkswagen

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Anklage wegen eines Deals zwischen VW und der Deutschen Telekom erhoben, bei dem auch einige Millionen für den VfL Wolfsburg abfallen sollten. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung. Volkswagen habe einen hoch dotierten Vertrag mit der Telekom-Tochter T-Systems erst dann fortgeführt, als die Telekom-Firma ihrerseits angekündigt hatte, einen Sponsorvertrag mit dem VfL Wolfsburg über vier Millionen Euro pro Saison zu verlängern. Der Deal mit T-Systems über die Pflege der Computersysteme bei Volkswagen hätte aber nicht an die Unterstützung für den VfL gekoppelt werden dürfen, glaubt die Staatsanwaltschaft.

Zwei Führungskräfte aus der Einkaufs-Abteilung sind nun wegen Bestechlichkeit angeklagt, zwei frühere Manager und ein Ex-Berater von T-Systems wegen Bestechung. Sie sollen sich vor der Wirtschaftsstrafkammer des Stuttgarters Landgerichts verantworten. Dass T-Systems ihr Sponsoring beim VW-Werksklub später trotzdem einstellte, ändert aus Sicht der Ermittler nichts am Gesetzesverstoß. In Stuttgart ist der Fall anhängig, weil dort einer der Beschuldigten wohnt.

Der Fall ist in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert, Wirtschaftsjuristen sprechen von einem „Pilotverfahren“. Erstmals wird juristisch geklärt, ob Deals in Industrie und Wirtschaft mit einem Sport-Sponsoring verknüpft werden dürfen. In der Fußballbranche und darüber hinaus wird das Verfahren aufmerksam und teils mit Sorge verfolgt. Bei einigen von den vielen Firmen, die Lieferanten oder anderweitig Geschäftspartner von Volkswagen sind und zugleich den VfL fördern, haben die Ermittlungen bereits beträchtliche Unruhe ausgelöst. Nach Erkenntnissen der Stuttgarter Kriminalpolizei hat VW nicht nur T-Systems dazu gedrängt, sich beim VfL zu engagieren. Manche VW-Lieferanten hätten „nicht ganz freiwillig“ einem Sponsoring bei den Wölfen eingewilligt, notierte die Kripo. Nun steht das System VW auf dem Prüfstand.

VW sagt dazu, der Konzern habe niemanden zu einem Sponsoring bei den Wölfen gedrängt. „Wir gehen fair mit unseren Geschäftspartnern um.“ Und man habe „kein Problem damit, dass Lieferanten von Volkswagen auch Sponsoringverträge mit dem VfL Wolfsburg abschließen“.

Probleme haben dafür nun die fünf Angeklagten, die alle Vorwürfe zurückweisen. Das sei eine „straflose Klimapflege“ gewesen, sagt der Kölner Anwalt Björn Gehrke, der einen der Beschuldigten vertritt. Alle fünf hätten offensichtlich in dem „guten Glauben gehandelt“, die Interessen ihrer Unternehmen bestmöglich zu vertreten. Außerdem seien sowohl bei VW als auch bei der Telekom „maßgebliche Entscheidungsträger“ in diese Geschäfte eingebunden oder zumindest ausreichend darüber informiert gewesen. „Mit der Einbindung dieser Entscheidungsträger war das alles in diesem Zusammenhang nicht strafbar.“

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Ferrostaal verlangt von der früheren Muttergesellschaft MAN abgeführte Gewinne der Vergangenheit zurück. Da MAN eine Rückzahlung ablehnt, versucht Ferrostaal, die Forderung auf dem Gerichtsweg durchsetzten. Mit Datum vom 17. März diesen Jahres erwirkte das Unternehmen einen Mahnbescheid über 25,3 Millionen Euro gegen MAN.

Der Nutzfahrzeugkonzern, der im März 2009 die Mehrheit an den arabischen Staatsfonds IPIC abgegeben hatte, weist die Geldforderung entschieden zurück. Die Zahlungsaufforderung aus Essen ist offenbar erst der Anfang. Ferrostaal hat bei einer Revision der Jahresabschlüsse 1999 bis 2008 einen Betrag von 103 Millionen ausgemacht, den das Unternehmen bei MAN geltend machen will. Die Forderung hängt dem Vernehmen nach direkt mit zweifelhaften Zahlungen zusammen, die eine interne Untersuchung ans Tageslicht gefördert hatte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch gegen eine Reihe weiterer Mitarbeiter.

Der gescheiterte Einigungsversuch zwischen der Staatsanwaltschaft und Ferrostaal erschwert auch die Gespräche zwischen MAN und IPIC über die künftige Eigentümerstruktur. MAN hatte Ferrostaal im März 2009 zu siebzig Prozent an die Araber verkauft. Wenige Monate nach der Übernahme erhob die Staatsanwaltschaft München schwere Schmiergeldvorwürfe gegen Ferrostaal.

Damit wird auch die geplante Fusion von MAN mit dem schwedischen Lkw-Bauer Scania mehr als schwierig. Ferdinand Piëch, Aufsichtsratschef von VW und MAN, hatte die ungelöste Einigung bei Ferrostaal als Haupthindernis einer Fusion bezeichnet.
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In der sogenannten Sponsoring-Affäre zwischen VW und der Deutschen Telekom hat die Staatsanwaltschaft nun auch das Büro von VW Einkaufs-Vorstand Francisco Javier Garcia Sanz, einem engen Vertrauten von VW-Chef Martin Winterkorn, durchsucht. Die Staatsanwaltschaft erklärte jedoch, die Ermittlungen liefen nicht gegen Vorstandsmitglieder des VW-Konzerns, sondern gegen zwei Einkäufer aus dem Bereich von Sanz, einen Berater des Unternehmens sowie zwei VW-Beschäftigte. Diese sollen versucht haben, die Verlängerung des Sponsorenvertrages des Telekommunikationsunternehmens für den VfL Wolfsburg an Zusagen von VW über Aufträge für T-Systems über mehrere hundert Millionen Euro zu koppeln.
Die Telekom-Tochter T-Systems wollte offenbar einen Sponsoring-Vertrag mit dem VfL Wolfsburg über vier Millionen Euro verlängern, um im Gegenzug neue Aufträge von VW zu erhalten, denn der Fußballclub gehört zum Volkswagen-Konzern und Einkaufsvorstand Sanz ist Aufsichtsratschef beim VfL.
Die Deutsche Telekom zeigte den Vorfall Ende vergangenen Jahres bei der Staatsanwaltschaft an und zog auch personelle Konsequenzen: T-Systems Vertriebsvorstand Joachim Langmack verließ die Telekom, weil er sich nach Angaben der Telekom über einen Vorstandsbeschluss hinweg gesetzt habe, wonach der Sponsoring-Vertrag nicht verlängert werden sollte.

MAN hatte erst vor gut einem Jahr erstmals einen Chief Compliance Officer berufen (mehr lesen). um Vorkommnisse wie bei der Verwicklung des ehemaligen Ferrostal-Eigners MAN in den Korruptionsskandal bei Ferrostal (mehr lesen) entgegenzuwirken. Und jetzt das: Nach Korruption geht es nun um Kartellrechtsverstöße. Selbstverständlich gilt auch für MAN die Unschuldsvermutung. Es scheint jedoch, dass die neue Compliancephilosophie von MAN noch nicht in alle Abteilungen durchgesickert ist. Die Größe der Untersuchung lässt auf ein beträchtliches Ausmaß des vermuteten Schadens schließen, heißt es in der Branche. Die Aktionäre von MAN und Scania müssen also wechselseitig hohe Kartellstrafen fürchten, sollte es zu dem von Volkswagen favorisierten Aktientausch kommen.
MAN findet in seiner Pressemitteilung deutliche Worte zu dem Vorfall:

„MAN toleriert keine Compliance-Verstöße. Weder Korruption noch Wettbewerbsverstöße werden von MAN geduldet, gefördert oder akzeptiert.“

MAN, Scania und Volkswagen werden sich jedoch mitten im Prozess der Neuordnung der Lkw-Sparte fragen lassen müssen, was an der MAN-Compliance trotz allem noch nicht stimmt.

Der Volkswagen-Vorstandchef Martin Winterkorn hat den Anwalt Frank Fabian auf die neu geschaffene Position des „Group Chief Compliance Officers“ berufen. Als Leiter der Abteilung Governance, Risk und Compliance ist Fabian direkt dem Konzernchef unterstellt. Volkswagen fasst damit bislang eigenständige Bereiche zur guten Unternehmensführung und Risikovorsorge zusammen.
Volkswagen sorgt sich um sein Image und will nach den vergangenen Skandalen wie der VW-Affäre um Lustreisen und Sonderboni für Betriebsräte und dem Bestechungsskandal bei der VW-Beteiligung MAN aufräumen. Frank Fabian hat die Compliance-Abteilung des Autoherstellers mit aufgebaut und ist bereits seit zehn Jahren bei Volkswagen aktiv.

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