Tag: Stoiber

Gar keine Korruption ist auch keine Lösung? Nicht erst seit dem Fall Wulff sind Einladungen aller Art in Verruf geraten. So überlegen sich immer mehr Firmen aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen, ob sie Geschäftspartner oder Amtspersonen noch in ihre Fußball-Logen einladen können. Und wenn doch zweifeln die Eingeladenen, ob sie auch wirklich kommen dürfen.
Für die Erste und Zweite Liga – sie setzten 2011 zusammen gut zwei Milliarden Euro um –, aber auch für die Eigentümer der Stadien steht damit nicht weniger als das bisherige Finanzierungskonzept auf dem Spiel. Denn die 78.000 sogenannten Hospitality-Plätze in Stadien der Ersten und Zweiten Bundesliga sind ein wichtiger Einnahmeposten. Sie bringen den Vereinen 45 bis 50 Prozent ihrer Ticketerlöse – und sorgen auch dafür, dass normale Eintrittskarten für die Fans nicht noch teurer werden.
Jetzt soll Stoiber helfen, dass entweder die Strafrechtsparagrafen rund um Korruptionsvergehen verändert werden, oder dass zumindest verbindliche Regeln erlassen werden, was erlaubt ist und was nicht. „ Es muss auf jeden Fall einen Stimmungswandel geben“, sagt Uli Hoeneß
„Wenn wir diese Diskussion in Deutschland so fortsetzen, machen wir uns die Geschäftsgrundlage kaputt“, sagt Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund. Was tun, um, wie Hoeneß es formuliert, das „Larifari-Gesetz“ zu ändern

Da geht es beispielsweise um Fragen, ob eine Einladung „sozialadäquat“ ist, ob eine Bevorzugung „in unlauterer Weise“ vorliegt. Für Birgit Galley, eine renommierte Anti-Korruptionsexpertin von der Steinbeis-Hochschule Berlin, sind die Gesetze nicht ausreichend „trennscharf“. „Anders als etwa bei Straftaten wie Mord oder Raub ist es für die Einzelperson schwer festzustellen, ab wann man sich strafbar macht“, erklärte sie der Tageszeitung „Die Welt„.

Sie hält ein Fußballticket durchaus für geeignet, unlauteres Handeln auszulösen. „Natürlich kann man einen Menschen mit einer Karte bestechen. Irgendwo fängt es ja immer an: beim Fußballticket, dann der Essenseinladung danach, der Urlaubsreise und dem Pelzmantel – und am Ende ist man dann beim Swimmingpool im Vorgarten angelangt.“

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