Tag: Professionalisierung

Die zweite jährliche Studie von Cegedim Relationship Management zu Compliance-Trends in Europa ergibt einerseits zunehmendes Vertrauen in die Fähigkeit zur Erfüllung von Transparenzanforderungen und deckt andererseits anhaltende Missstände in Bezug auf Daten/Verfahrensmängel auf.

Den befragten Führungskräften aus der Pharma-, Biotech- und medizinischen Geräteindustrie zufolge sind Unternehmen bestrebt, operative Compliance zu erzielen. Dabei stellen unvollständige Daten und ineffiziente interne Systeme die größten Herausforderungen dar.

Der UK Bribery Act und der Foreign Corrupt Practices Act sind nicht die einzigen Vorschriften, die die Pharmaindustrie Europas transformieren. So wurde in Frankreich vor kurzem ein dem US Patient Protection and Affordable Care Act ähnliches Gesetz verabschiedet. Auch in den Niederlanden sollen bald strengere Transparenzvorschriften eingeführt werden. Unternehmen beobachten jetzt einen länderübergreifenden Wandel hin zu einer klareren Spesenabrechnung im Zusammenhang mit Gesundheitsdienstleistern. Dadurch wird die Latte noch weiter angehoben, was wiederum das Potenzial für Compliance-Verstöße erhöht.

Wichtige Branchenentwicklungen auf dem Weg zu operativer Compliance in Europa
Ein Vergleich der Ergebnisse aus den Jahren 2010 und 2011 zeigt, dass eine steigende Zahl europäischer Anbieter Unternehmensstandards in Bezug auf die für Gesundheitsdienstleister anfallenden Spesen umsetzt. Dabei gaben 76 % der Befragten im Jahr 2011 an, dass ihre Richtlinien auf alle externen Partner und internen Daten Anwendung finden, gegenüber 62 % im Jahr 2010. Außerdem sind Compliance-Experten stärker davon überzeugt, dass ihr Unternehmen in der Lage ist, Transparenzanforderungen zu erfüllen. So schätzten 87 % der Teilnehmer 2011 ihre Fähigkeit dazu als gut bis ausgezeichnet ein, im Vergleich zu 73 % im Vorjahr. 64 % der Befragten gaben 2011 an, die Implementierung einer Lösung zur Berichterstattung und Offenlegung eindeutiger Spesendaten sei eine „absolute Notwendigkeit“. Allerdings berichteten 44 % der Teilnehmer 2011, dass ihr Unternehmen bestehende Berichterstattungs- und Offenlegungspflichten mit Hilfe von Tabellenkalkulationen und anderen manuellen Verfahren erfülle, überraschende 22 % mehr als 2010.

Die Bereiche mit dem dringendsten Änderungsbedarf in Europa
Datenfehler und Systemmängel sind die größten Hindernisse 2011, die möglicherweise mit einer beträchtlichen Zunahme ineffizienter Berichterstattungsmechanismen in Verbindung stehen. Dazu gehören insbesondere die Schwierigkeit, Gesundheitsdienstleistern ausgehend von Spesenabrechnungen eine eindeutige Kennzeichnung zuzuordnen (52 %); unvollständige Spesen- und Kundeninformationen (43 %) und allgemeine System-/Verfahrensmängel (42 %).

„Europa ist an einem entscheidenden Punkt angelangt: Es ist auf dem Weg zu einem Umsetzungsmodell, das dem der USA zunehmend ähnelt“, erklärte Bill Buzzeo, Vice President, Global Compliance Solutions, Cegedim Relationship Management. „Unternehmen machen große Fortschritte bei der selbsttätigen Umsetzung. Dennoch verlässt sich der Großteil der Befragten laut der diesjährigen Studie auf ineffiziente manuelle Berichterstattungsmechanismen sowie Excel-Arbeitsblätter. Diese Unternehmen sollten den Einsatz einer leistungsfähigen automatisierten Lösung für Transparenz bei der Spesenabrechnung in Erwägung ziehen, um die administrativen Pflichten rund um das Thema Compliance in eine Wettbewerbsstrategie zu verwandeln.“

Deutsche Unternehmen sind auf Krisensituationen nur unzureichend vorbereitet. In einer Umfrage zum betrieblichen Risikomanagement gaben 59 Prozent der Fach- und Führungskräfte an, dass die Produktion oder Dienstleistungsfähigkeit des eigenen Hauses bei einem Zuliefererausfall im Pandemiefall innerhalb von nur vier Wochen zum Erliegen kommt. Besonders anfällig für einen Ausfall der eingespielten Zulieferer zeigt sich das produzierende Gewerbe. Für diese Branche rechnen 70 Prozent der Experten damit, dass das Geschäft innerhalb von nur vier Wochen still steht. Das ist das Ergebnis der Studie „Krisensituationen in Unternehmen 2011″ die vom IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung erstellt wurde.

Der krankheitsbedingte Ausfall großer Teile der Belegschaft wird von den Unternehmen(62 Prozent) als potenziell gefährlichste Situation für den wirtschaftlichen Fortbestand eingeschätzt. Gleichzeitig nimmt dieses Krisenszenario auch bei der Eintrittswahrscheinlichkeit einen vorderen Rang ein. Knapp jedes vierte Unternehmen geht davon aus, dass in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem kritischen Personalausfall, beispielsweise im Zuge einer Pandemie, zu rechnen ist.

Trotz dieser Einschätzung gibt es nach Ansicht der Mehrheit der Risikoexperten noch deutlichen Verbesserungsbedarf in der Prävention. Nach Schulnoten bewertet sehen 62 Prozent der Fach- und Führungskräfte das eigene Unternehmen nur befriedigend oder noch schwächer aufgestellt. Nur 38 Prozent bewerten die getroffenen Krisenmaßnahmen für gut bis sehr gut. Dabei sind mittlere Unternehmen (500 bis 1.000 Mitarbeiter) mit einer Zustimmung von 42 Prozent um fünf Prozentpunkte optimistischer eingestellt als Sicherheitsverantwortliche in Großbetrieben (ab 1.000 Mitarbeiter).

Entscheidungen zum betrieblichen Risikomanagement werden von der großen Mehrheit der Unternehmen in einem eigens gegründeten Krisenstab erarbeitet. So verfügen 79 Prozent der Firmen über ein offizielles Fachgremium, das für die Katastrophenschutzplanung zuständig ist. Dabei zeigt sich, dass bei den Gründen, sich für die Bildung eines Krisenstabs zu entscheiden, die besonders sensible Gefahr des potenziellen Mitarbeiterausfalls eine wichtige Rolle spielt. 87 Prozent der Betriebe, die den krankheitsbedingten Ausfall großer Teile der Belegschaft als existenzbedrohlich einstufen, verfügen über einen Krisenstab.

Deutsche Unternehmen gehen bewusster mit der Gefahr durch Wirtschaftskriminalität um als noch vor zehn Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die Emnid im Auftrag von PWC erstellt hat. 40 Prozent der Firmen fürchten laut einer Studie die rufschädigende Wirkung der Verbrechen. 2001 waren es gerade mal zehn Prozent. Jedes achte börsennotierte Unternehmen registrierte zudem nach Bekanntwerden einer Straftat einen Rückgang des Aktienkurses. Als Konsequenz haben die Manager deshalb ihren Schutz gegen Wirtschaftskriminelle verbessert. 59 Prozent der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern haben mittlerweile Anti-Korruptionsprogramme.

Dadurch ist die Zahl der Delikte im Vergleich zu 2009 deutlich gesunken. Vor zwei Jahren meldeten sogar noch 61 Prozent der befragten Unternehmen, Opfer von Unterschlagung, Korruption oder Industriespionage geworden zu sein. In diesem Jahr sank der Wert auf 52 Prozent. Die Höhe des durchschnittlichen Schadens ist dabei allerdings deutlich gestiegen. Laut PwC beziffern die Unternehmen die Kosten durch wirtschaftskriminelle Handlungen auf rund 8,4 Millionen Euro. Zwei Jahre zuvor waren es noch 5,6 Millionen Euro. Das liegt laut PwC an einer Reihe überdurchschnittlich hoher Schäden. So würden drei Prozent der befragten Firmen Schäden von mehr als 100 Millionen Euro angeben. Dazu kämen steigende Kosten für die Aufarbeitung der Straftaten.

Interessant: Jede zweite Wirtschaftsstraftat wird der Studie zufolge von einem Mitarbeiter des geschädigten Unternehmens begangen. Dabei stamme ein großer Teil der Täter aus dem Top-Management. Die Konzerne messen dabei jedoch offenkundig mit zweierlei Maß: Bei Tätern aus der Führungsebene erfolgte viel seltener eine Strafanzeige als bei den übrigen Beschäftigten. Gestärkt wird dagegen die Prävention: Mehr als die Hälfte der Unternehmen in der Studie hat mittlerweile ein Compliance-Programm, das wirtschaftskriminellen Handlungen vorbeugen soll. Compliance scheint also innerhalb der Unternehmen auch an Akzeptanz zu gewinnen.

Auch wenn die Fälle von Korruption zeigen, dass die vorbeugenden Maßnahmen offenbar noch nicht immer so recht funktionieren: Mit zwölf Prozent liegt der Anteil der betroffenen Unternehmen hier auf dem Niveau der Vorjahre. Gut jedes vierte Unternehmen ist außerdem davon überzeugt, aufgrund illegaler Einflussnahmen von Wettbewerbern mindestens einmal bei einer Ausschreibung nicht zum Zuge gekommen zu sein.

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Wenn Projekte über Firmen- und Ländergrenzen reichen, ist die Sicherheit der gemeinsam genutzten Dokumente ein Problem. Die Microblogging-Site Twitter hat für sich eine Lösung gefunden.
Für die gemeinsame Arbeit an vertraulichen Dokumenten nutzt der Kurznachrichtendienst Twitter demnächt die Online-Plattform der Brainloop AG. Das berichtet die Computerwoche Brainloop zufolge hat die beliebte Mikroblogging-Site die Plattform auserkoren, damit sie firmen- und länderübergreifend kooperieren kann, ohne beim Dokumentenaustausch ein großes Sicherheitsrisiko einzugehen.
Brainloop wirbt damit, sensible Unterlagen vor unberechtigten Zugriffen schützen, zu können, auch wenn Projekte deren Austausch mit Firmenexternen erfordern. Dabei würden die vom jeweiligen Unternehmen vorgeschriebenen Sicherheitsrichtlinien automatisch angewendet, so dass sich die eigenen Mitarbeiter und externe Partner ungestört auf ihre Aufgaben konzentrieren könnten. Wie der Brainloop-CEO Peter Weger verspricht, behindern die Sicherheitsfunktionen der Software nicht die reibungslose Zusammenarbeit.

Cloud Computing ist in der Geschäftswelt angekommen. Auch Compliance-Fragen sind nur noch scheinbar eine Hürde. Aber damit sich Wolken und Regeln nicht ausschließen, ist eine richtige Planung unabdingbar. Mit dem Konfliktfeld Cloud & Compliance befasst sich ein Beitrag in der Computerwoche.

Cloud Computing schwingt sich in den kommenden Jahren zum Top-Thema der IT-Industrie auf. Viele Firme sind jedoch zurückhaltend. Die Anwendungen, die derzeit am häufigsten in die Cloud wandern, sind für die Unternehmen eher unkritisch. Dazu zählen E-Mail und Kalender, Collaboration-Lösungen, Backoffice-Applikationen und Customer Relationship Management (CRM). Unternehmenskritische Anwendungen dagegen betreiben die meisten Firmen nach wie vor bevorzugt auf der eigenen IT-Infrastruktur.

Dieser Zurückhaltung liegen Bedenken um die Sicherheit der Daten, schwammige, oft ungeklärte Compliance- und Haftungsfragen sowie Sorgen um die Ausfallsicherheit hinsichtlich der Infrastruktur des Cloud-Providers zugrunde. Dass diese Zweifel berechtigt sind, bestätigt der jüngste Störfall im Amazon-Rechenzentrum1.

Ralf Schneider, CIO der Allianz Versicherung, gibt an, wo der Knackpunkt bei den Cloud-Services für sein Unternehmen liegt: „Wir wollen unsere zentralen Anwendungen, vor allem aber unsere Daten selbst unter Kontrolle behalten“, formulierte er kürzlich in einem Interview mit der Computerwoche.

Zwar schließen sich das Arbeiten über die Cloud und das gleichzeitige Einhalten von Compliance-Vorgaben nicht per definitionem aus, allerdings gewinnen manche Compliance-Aspekte in der Cloud doch wesentlich an Bedeutung. Sollen Anwendungen und Daten in der Cloud gespeichert werden, muss daher genau überprüft werden, ob diese Speicherung nach den zugrunde liegenden Lizenzverträgen und den anwendbaren Datenschutzregelungen zulässig ist.

Dreh- und Angelpunkt für ein rechtlich abgesichertes Cloud-Szenario ist ein dedizierter Anforderungskatalog an den Cloud-Provider sowie wasserdichte Serviceverträge. Konkrete Leistungsbestandteile sollten in Einzelverträgen definiert sein, die neben dem Service Level Agreement weitere rechtliche Regelungen wie Gewährleistung und Haftung, Vertragslaufzeit, Kündigungsmöglichkeiten oder Vertraulichkeitsverpflichtungen enthalten sollte. So lässt sich auf der Ebene des Einzelvertrages die Compliance-Vorgabe für einen bestimmten Service prüfen und bei Schlechtleistung oder Nichterfüllung lassen sich entsprechende Maßnahmen in die Wege leiten.

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Die Deutsche Börse AG gab am späten Mittwoch bekannt, dass sie mit der Prüfung zum qualifizierten Aufsichtsrat ihre Bemühungen für mehr Transparenz und höhere Standards an den Kapitalmärkten fortsetzt.
Wie der Börsenbetreiber erklärte, richtet sich das Angebot „Prüfung Qualifizierter Aufsichtsrat“ sowohl an angehende als auch bereits gewählte Aufsichtsräte. Diese haben nun die Möglichkeit ihre Weiterbildung zu dokumentieren und damit den Forderungen des Deutschen Corporate Governance Kodex 2010 nach eigenverantwortlichen Aus- und Fortbildungsmaßnahmen nachzukommen. Voraussetzung für eine Teilnahme an der Prüfung ist der Besuch eines von der Gruppe Deutsche Börse zertifizierten Lehrgangs. Zielgruppe sind zum einen Unternehmen in Rechtsform einer AG, die über einen Börsengang nachdenken, zum anderen aber auch bereits börsennotierte Unternehmen, die die Qualifikation ihrer Aufsichtsräte sicherstellen wollen.
„Wir möchten mit unserem Angebot neue Standards setzen und dazu beitragen, dass sich auch im Bereich der (Weiter-)Qualifizierung von Aufsichtsräten transparente und neutrale Kriterien etablieren. Denn wir sind davon überzeugt, dass die verantwortungsbewusste Unternehmensführung und -kontrolle ein wichtiger Bestandteil für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens ist und der langfristigen Wertschöpfung dient“, so Alexander Höptner, bei der Deutschen Börse verantwortlich für die Capital Markets Academy. Die Capital Markets Academy nimmt im öffentlich-rechtlichen Auftrag die Qualifizierung von Börsenmitgliedern vor.

Die erste Prüfung zum qualifizierten Aufsichtsrat durch die Capital Markets Academy findet im November 2011 statt. Die Prüfung ist computerbasiert und beinhaltet sowohl Wahr/Falsch-Fragen als auch Fragen mit möglichen Mehrfachantworten. Prüfungsrelevant sind alle Aufgaben- und Verantwortungsbereiche eines Aufsichtsrates. Dazu gehören u.a. Organisation und Management des Aufsichtsrates, Unternehmensstrategie und -steuerung, operatives Risikomanagement, Compliance und Revision, Finanzierung und Investition, Change-IT und Technologiemanagement, aber auch Corporate Governance, Ethik und Corporate Social Responsibility, Haftung und Managerhaftpflicht-Versicherung sowie die SE nach deutschem Recht.

Aufgrund der mit der Nichteinhaltung von Regeln im Unternehmen verbundenen Haftungsrisiken führen Unternehmen zunehmend sog. Compliance-Management-Systeme (CMS) ein, um die Einhaltung der Regeln organisatorisch sicherzustellen und Risiken für wesentliche Regelverstöße präventiv zu begegnen. Zugleich werden Wirtschaftsprüfer vermehrt damit beauftragt, einzelne Teilbereiche des eingerichteten CMS zu beurteilen.

Vor diesem Hintergrund hat der Hauptfachausschuss des IDW am 11.3.2011 den IDW-Prüfungsstandard „Grundsätze ordnungsmäßiger Prüfung von Compliance Management Systemen (IDW PS 980)“ verabschiedet, in dem die Berufsauffassung zur Durchführung derartiger Prüfungen dargelegt wird. Der IDW PS 980 wird in IDW-FN 4/2011 abgedruckt.
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Woman turning off alarm clock

Anwälte können prinzipiell alles und sind in der Regel genau auf ihr Problem spezialisiert. Aber Berufsrecht? Die Spielregeln der Anwaltstätigkeit im engeren oder weiteren Sinne? Arbeitsrecht unter Anwälten? Fehlanzeige!

Ein beklagter Anwalt dürfte nicht schlecht gestaunt haben als sein angestellter Anwalt nach 2 ½ Jahren die ausstehende Vergütung für 900 Überstunden (ca. 30.000 EUR) forderte. Vermutlich ging der Sozius auch einigermaßen siegesgewiss in den Prozess, denn im Arbeitsvertrag hatte er ausdrücklich eine pauschale Abgeltung notwendiger Mehrarbeit mit dem Gehalt vereinbart.

Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg (15 Sa 166/10) entschied jedoch dass eine vorformulierte Klausel in einem Arbeitsvertrag, wonach durch die zu zahlende Bruttovergütung eine etwaig notwendig werdende Über- oder Mehrarbeit abgegolten ist, gegen § 307 I, S. 2 BGB verstoße und daher unwirksam sei. Der Forderung könne daher auch nicht der Einwand der Verwirkung entgegengehalten werden.

„Der Arbeitgeber duldet Überstunden, wenn er Arbeitsleistungen, die über die regelmäßige Arbeitszeit hinausgehen, entgegennimmt. Dies gilt jedenfalls dann, wenn die Erbringung von Überstunden über mehrere Wochen erfolgt und der Arbeitgeber keinerlei ernst gemeinte organisatorischen Vorkehrungen trifft, um eine freiwillige Ableistung von Überstunden zu unterbinden. Für die Darlegung der geleisteten Stunden genügt es regelmäßig, wenn der Arbeitnehmer Anfang und Ende der Arbeitszeit einschließlich der Pausen für die jeweiligen Tage/Wochen angibt. Dies ergibt sich bei einer vereinbarten regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden auch daraus, dass der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet ist, die über die werktägliche Arbeitszeit von 8 Stunden hinausgehende Arbeitszeit aufzuzeichnen und diese Aufzeichnungen mindestens zwei Jahre aufzubewahren (§ 16 II ArbZG).“

Arbeitsrechts-Compliance ist also auch ein Thema für Anwälte geworden. Dies gilt umso mehr, als die Aussichten auf eine Partnerschaft in und nach der Krise für junge Anwälte stark zurückgegangen sind. Kanzleien, die dazu noch auf Scheinselbständigkeit, Arbeitszeitverletzungen und andere Formen von Non-Compliance setzen, werden es wohl auch im Aufschwung schwer haben. Mehr Nachhaltigkeit, Perspektive und natürlich Compliance in eigener Sache werden gute Mitarbeiter und Mandanten gleichermaßen überzeugen.

Inkompetent, unzuverlässig oder überfordert – so der Vorwurf der BaFin. Die Bankenaufsicht strebt derzeit die Absetzung von Aufsichtsräten von Banken an. Zehn Abberufungsverfahren laufen bereits. Weitere Verfahren werden derzeit vorbereitet. Die BaFin nutzt damit erstmals ihre neuen Kompetenzen und geht gegen aus Ihrer Sicht ungeeignete Aufsichtsräte von Banken vor.
Möglich ist es der BaFin nach den neuen Gesetzen zur Finanzmarktkontrolle nun unter anderem, gegen Aufsichtsräte von Geldinstituten vorzugehen, die sie für nicht ausreichend kompetent hält. Aufsichtsräte müssen laut Gesetz seither zumindest „ein Verständnis für die Geschäftsabläufe in einer Bank“ haben. Auch müssen Interessenkonflikte ausgeschlossen sein. Nach BaFin-Referatsleiter Crüwell stützen sich die jetzt eingeleiteten Verfahren auf verschiedene Gründe. In einem Fall werfe die Behörde dem betroffenen Aufsichtsrat vor, zu wenig vom Bankgeschäft zu verstehen. In drei Fällen bemängele sie, dass Aufsichtsräte zu viele Kontrollmandate innehätten. Bei sechs Aufsichtsräten zweifelt die BaFin laut Crüwell an deren Zuverlässigkeit. Dies sei etwa dann der Fall, wenn ein Aufsichtsrat zugleich Kunde der Bank ist, sein Kredit aber ausfallgefährdet oder sogar ausgefallen ist.
Die nun eingeleiteten Maßnahmen sind grundsätzlich zu begrüßen, auch wenn die betroffenen Aufsichtsräte bzw. Banken einer Zwangsabberufung wohl je nach Verfahrenslage zuvorkommen werden. Denn eine weitere Professionalisierung der Aufsichtsratsarbeit und eine Debatte über die notwendigen Kernkompetenzen guter Aufsichtsräte sind dringend notwendig.
Teil des Problems ist wohl auch ein Relikt der „Deutschland AG“, dass es in durch institutionelle Anleger bestimmten Gesellschaften praktisch zu einem Vorschlagsrecht des Vorstands für die Besetzung des Aufsichtsrats kommt und somit ein System geschaffen wird, in dem eine echte Kontrolle nur schwerlich stattfindet. Hier muss das Gleichgewicht zwischen Kompetenz und Persönlichkeit neu definiert und sodann im besten Interesse der jeweiligen Gesellschaft hergestellt werden.

Als erstes Bundesland richtet Bremen eine Stelle zur Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen ein. Das berichtet die NWZ. Ärztekammer, Kassenärztliche Vereinigung und Krankenhausgesellschaft haben sich darauf verständigt, dass die „sektorenübergreifende Clearingstelle Rechtskonformität“ Verträge und Absprachen zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten auf ihre rechtliche Zulässigkeit prüfen und bei neuen Abschlüssen die Vertragspartner beraten soll. Vornehmliches Ziel der Clearingstelle sei es, Doppelabrechnungen und unzulässige Provisionen, die von Krankenhäusern an Ärzte für die Zuweisung von Patienten fließen, aufzuspüren.


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