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Ferrostaal verlangt von der früheren Muttergesellschaft MAN abgeführte Gewinne der Vergangenheit zurück. Da MAN eine Rückzahlung ablehnt, versucht Ferrostaal, die Forderung auf dem Gerichtsweg durchsetzten. Mit Datum vom 17. März diesen Jahres erwirkte das Unternehmen einen Mahnbescheid über 25,3 Millionen Euro gegen MAN.

Der Nutzfahrzeugkonzern, der im März 2009 die Mehrheit an den arabischen Staatsfonds IPIC abgegeben hatte, weist die Geldforderung entschieden zurück. Die Zahlungsaufforderung aus Essen ist offenbar erst der Anfang. Ferrostaal hat bei einer Revision der Jahresabschlüsse 1999 bis 2008 einen Betrag von 103 Millionen ausgemacht, den das Unternehmen bei MAN geltend machen will. Die Forderung hängt dem Vernehmen nach direkt mit zweifelhaften Zahlungen zusammen, die eine interne Untersuchung ans Tageslicht gefördert hatte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch gegen eine Reihe weiterer Mitarbeiter.

Der gescheiterte Einigungsversuch zwischen der Staatsanwaltschaft und Ferrostaal erschwert auch die Gespräche zwischen MAN und IPIC über die künftige Eigentümerstruktur. MAN hatte Ferrostaal im März 2009 zu siebzig Prozent an die Araber verkauft. Wenige Monate nach der Übernahme erhob die Staatsanwaltschaft München schwere Schmiergeldvorwürfe gegen Ferrostaal.

Damit wird auch die geplante Fusion von MAN mit dem schwedischen Lkw-Bauer Scania mehr als schwierig. Ferdinand Piëch, Aufsichtsratschef von VW und MAN, hatte die ungelöste Einigung bei Ferrostaal als Haupthindernis einer Fusion bezeichnet.
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Dr. Philip Matthey wird neuer Chief Compliance Officer (CCO) der MAN-Gruppe. Er übernimmt die Funktion von Olaf Schneider, der als General Counsel zu Siemens Industry, dem heute größten Sektor der Siemens AG, wechselt. Matthey verantwortet seit 2010 bei der MAN SE die Abteilung Compliance Awareness & Prevention. „Mit der Nachfolgeregelung

aus den eigenen Reihen zeigen wir, dass wir intern große Kompetenz zum Thema Compliance aufgebaut haben“, sagt Dr. Georg Pachta-Reyhofen, Vorstandssprecher der MAN SE, an den der CCO direkt berichtet.

Philip Matthey (39) war vor seiner Tätigkeit bei MAN mehrere Jahre als Rechtsanwalt in renommierten Kanzleien tätig. Zuletzt war er beim Industriekonzern ThyssenKrupp AG als Compliance Officer insbesondere für kartellrechtliche Compliance zuständig.

Der bisherige CCO Olaf Schneider, wechselt als General Counsel zu Siemens Industry, dem heute größten Sektor der Siemens AG.

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Bei MAN gibt es einen Wechsel an der Spitze der Compliance-Organisation. Künftig soll der Jurist Philip Matthey die Compliance-Organisation des Unternehmens leiten. Matthey kommt aus den eigenen Reihen und ersetzt auf dem Posten des Chief Compliance Officer (CCO) Olaf Schneider, der zu Siemens wechselt. Der Rechtsanwalt Matthey war schon zuvor in der MAN-Abteilung zur Korruptionsbekämpfung tätig. Der Dax-Konzern hatte seine Compliance-Organisation nach der 2009 ans Licht gekommenen Schmiergeldaffäre deutlich verstärkt.

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MAN hatte erst vor gut einem Jahr erstmals einen Chief Compliance Officer berufen (mehr lesen). um Vorkommnisse wie bei der Verwicklung des ehemaligen Ferrostal-Eigners MAN in den Korruptionsskandal bei Ferrostal (mehr lesen) entgegenzuwirken. Und jetzt das: Nach Korruption geht es nun um Kartellrechtsverstöße. Selbstverständlich gilt auch für MAN die Unschuldsvermutung. Es scheint jedoch, dass die neue Compliancephilosophie von MAN noch nicht in alle Abteilungen durchgesickert ist. Die Größe der Untersuchung lässt auf ein beträchtliches Ausmaß des vermuteten Schadens schließen, heißt es in der Branche. Die Aktionäre von MAN und Scania müssen also wechselseitig hohe Kartellstrafen fürchten, sollte es zu dem von Volkswagen favorisierten Aktientausch kommen.
MAN findet in seiner Pressemitteilung deutliche Worte zu dem Vorfall:

„MAN toleriert keine Compliance-Verstöße. Weder Korruption noch Wettbewerbsverstöße werden von MAN geduldet, gefördert oder akzeptiert.“

MAN, Scania und Volkswagen werden sich jedoch mitten im Prozess der Neuordnung der Lkw-Sparte fragen lassen müssen, was an der MAN-Compliance trotz allem noch nicht stimmt.

Dass in M&A-Geschäften nachgekartet wird, ist nichts Neues. Dass zu einer allumfassenden, guten und kostspieligen Due Diligence auch ein Check des Risikomanagements gehört auch nicht. „Ferrostaal-Eigner bittet MAN zur Kasse“ könnte also fast als eine langweilige Handelsblatt-Schlagzeile durchgehen.
Aber Compliance, oder genaugenommen Non-Compliance als Deal-Breaker? Das wäre neu. Doch der arabische Mehrheitseigentümer International Petroleum Investment Company (IPIC) drohte tatsächlich mit der Rückabwicklung des Kaufs. Und zwar allein aus dem Grund, weil MAN die Araber nicht über den vollen Umfang des Korruptionsskandals informiert haben soll.
IPIC hatte eine Rückgabe der Ferrostaal-Anteile an die frühere Muttergesellschaft MAN prüfen lassen und das dazu bei der Frankfurter Kanzlei Schmitz & Partner in Auftrag gegebene Rechtsgutachten bestätigte, dass es dafür eine rechtliche Grundlage gebe. Demnach soll MAN die Araber nicht über den vollen Umfang des Korruptionsskandals informiert haben und durch die Affäre sei außerdem die Geschäftstätigkeit der Ferrostaal AG eingeschränkt.
Natürlich wird Non-Compliance nicht zum Deal-Breaker beim Ferrostaal-Erwerb, denn an einer Rückabwicklung des Deals hat IPIC indes kein Interesse. Aber Non-Compliance als Preisdrücker schlägt dafür bereits umso deutlicher zu Buche: Angeblich will der Staatsfonds nachträglich den Kaufpreis von 700 Millionen Euro drücken und hat, um den Druck zu erhöhen, bereits ein Schiedsgericht eingeschaltet.
MAN sieht das Verfahren gelassen. Experten sind sich aber sicher: MAN muss sich auf eine saftige Nachzahlung einstellen. Neben einem Wertabschlag könnte IPIC auch eventuelle aus dem Schmiergeldskandal resultierende Geldstrafen auf Ferrostaal abwälzen. Die Ermittlungen gegen Ferrostaal sind noch nicht abgeschlossen, zuletzt stand jedoch eine Strafzahlung in dreistelliger Millionenhöhe im Raum.
Um künftig saubere Geschäfte garantieren zu können, hat die neue Ferrostaal-Führung umfangreiche Compliance-Strukturen im Unternehmen installiert. Damit werde es wieder einfacher, Aufträge zu akquirieren, hieß es in Konzernkreisen.

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