Tag: Ferrostal

Der frühere Compliance-Vorstand des Industriekonzerns Ferrostaal, Andreas Pohlmann, macht sich selbstständig. „Zusammen mit drei Partnern habe ich die Firma Pohlmann & Company gegründet, um Unternehmen bei der Einführung von Compliance-Strukturen zu beraten“, sagte Pohlmann dem Handelsblatt.

Pohlmann hat sich mit der Aufarbeitung der Korruptionsaffäre bei der Siemens AG einen Namen gemacht. Als diese bewältigt war, wechselte er im Jahr 2010 zu Ferrostaal. Bei dem Essener Industriedienstleister sollen Mitarbeiter über Jahre hinweg Aufträge mit Schmiergeld angeschoben haben. Den Posten als Compliance-Vorstand bei Ferrostaal legte Pohlmann im November nieder. „Ich habe meine Arbeit bei Ferrostaal als beendet gesehen“, sagte er. Die Staatsanwaltschaft München hatte die Vorwürfe gegen das Unternehmen gegen ein Bußgeld in Höhe von 149 Millionen Euro fallen gelassen.

„Meine Erfahrungen von Siemens und Ferrostaal will ich nun in die Beratung einfließen lassen“, sagte Pohlmann. Neben Unternehmen sieht er Behörden und Nicht-Regierungsorganisationen als potenzielle Kunden. Bei diesen gebe es eine große Unsicherheit in Sache Korruptionsvorbeugung und saubere Unternehmensführung.

Ferrostaal verlangt von der früheren Muttergesellschaft MAN abgeführte Gewinne der Vergangenheit zurück. Da MAN eine Rückzahlung ablehnt, versucht Ferrostaal, die Forderung auf dem Gerichtsweg durchsetzten. Mit Datum vom 17. März diesen Jahres erwirkte das Unternehmen einen Mahnbescheid über 25,3 Millionen Euro gegen MAN.

Der Nutzfahrzeugkonzern, der im März 2009 die Mehrheit an den arabischen Staatsfonds IPIC abgegeben hatte, weist die Geldforderung entschieden zurück. Die Zahlungsaufforderung aus Essen ist offenbar erst der Anfang. Ferrostaal hat bei einer Revision der Jahresabschlüsse 1999 bis 2008 einen Betrag von 103 Millionen ausgemacht, den das Unternehmen bei MAN geltend machen will. Die Forderung hängt dem Vernehmen nach direkt mit zweifelhaften Zahlungen zusammen, die eine interne Untersuchung ans Tageslicht gefördert hatte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch gegen eine Reihe weiterer Mitarbeiter.

Der gescheiterte Einigungsversuch zwischen der Staatsanwaltschaft und Ferrostaal erschwert auch die Gespräche zwischen MAN und IPIC über die künftige Eigentümerstruktur. MAN hatte Ferrostaal im März 2009 zu siebzig Prozent an die Araber verkauft. Wenige Monate nach der Übernahme erhob die Staatsanwaltschaft München schwere Schmiergeldvorwürfe gegen Ferrostaal.

Damit wird auch die geplante Fusion von MAN mit dem schwedischen Lkw-Bauer Scania mehr als schwierig. Ferdinand Piëch, Aufsichtsratschef von VW und MAN, hatte die ungelöste Einigung bei Ferrostaal als Haupthindernis einer Fusion bezeichnet.
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MAN hatte erst vor gut einem Jahr erstmals einen Chief Compliance Officer berufen (mehr lesen). um Vorkommnisse wie bei der Verwicklung des ehemaligen Ferrostal-Eigners MAN in den Korruptionsskandal bei Ferrostal (mehr lesen) entgegenzuwirken. Und jetzt das: Nach Korruption geht es nun um Kartellrechtsverstöße. Selbstverständlich gilt auch für MAN die Unschuldsvermutung. Es scheint jedoch, dass die neue Compliancephilosophie von MAN noch nicht in alle Abteilungen durchgesickert ist. Die Größe der Untersuchung lässt auf ein beträchtliches Ausmaß des vermuteten Schadens schließen, heißt es in der Branche. Die Aktionäre von MAN und Scania müssen also wechselseitig hohe Kartellstrafen fürchten, sollte es zu dem von Volkswagen favorisierten Aktientausch kommen.
MAN findet in seiner Pressemitteilung deutliche Worte zu dem Vorfall:

„MAN toleriert keine Compliance-Verstöße. Weder Korruption noch Wettbewerbsverstöße werden von MAN geduldet, gefördert oder akzeptiert.“

MAN, Scania und Volkswagen werden sich jedoch mitten im Prozess der Neuordnung der Lkw-Sparte fragen lassen müssen, was an der MAN-Compliance trotz allem noch nicht stimmt.

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