Tag: Daimler

Der frühere Verfassungsrichter Winfried Hassemer wird Daimlers Ombudsmann in Deutschland. Damit will der Konzern, der wegen Korruption im Ausland unter Beobachtung steht, sein Compliance- und Hinweisgebersystem ergänzen. Das berichtet das Handelsblatt.

Der wegen Korruption im Ausland unter Bewährung stehende Autobauer Daimler holt damit einen weiteren ehemaligen Verfassungsrichter an Bord. Sowohl die rund 160.000 Beschäftigten als auch Außenstehende könnten dem früheren Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts Hinweise auf gravierende Regelverstöße zukommen lassen.

Winfried Hassemer ist derzeit als Strafverteidiger tätig. Von 1996 bis 2008 war er Richter am Bundesverfassungsgericht, von 2002 an dessen Vizepräsident. Vor 1996 war Hassemer Datenschutz-Beauftragter in Hessen.

Mit der Berufung von Hassemer zum neutralen Mittler werde das Compliance- und Hinweisgeber-System bei Daimler ergänzt, sagte die frühere Bundesverfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt, die im Vorstand des Autobauers die Einhaltung von Recht und Integrität überwacht. Daimler hat wegen Schmiergeld-Zahlungen im Ausland in den USA eine hohe Strafe bezahlt und musste Gewinnabschöpfungen hinnehmen. Zudem überwacht im Auftrag der US-Börsenaufsicht SEC der frühere FBI-Chef Louis Freeh mit einem großen Stab das Geschäftsgebaren des Konzerns, der diese Kosten schultern muss.

Daimler hat nach den Korruptionsvorwürfen im Visier der US-Justizbehörden und der Börsenaufsicht in Sachen Compliance nachgelegt. Erst im vergangenen Jahr zahlte der Konzern 180 Millionen Dollar, um einen Vergleich in der Schmiergeldaffäre herbeizuführen, und hat seitdem den bis 2013 bestellten SEC-Aufpasser Louis Freeh, einen Ex-FBI-Chef, als Kontrolleur im Haus sitzen.

Die neue Vorstandsfrau Christine Hohmann-Dennhardt, die das neu geschaffene Ressort Integrität und Recht verantwortet, bindet nun die Mitarbeiter beim Formulieren eines neuen Verhaltenskodex ein. „Wir wollen jetzt mit den Mitarbeitern über Integrität reden und die Ergebnisse dann in unsere neue Verhaltensrichtlinie einfließen lassen“, sagte Hohmann-Dennhardt dem Handelsblatt. „Ich gehe davon aus, dass wir Mitte nächsten Jahres so weit sind, dass der neue Verhaltenskodex in Kraft gesetzt werden kann.“

Zudem hat sich die ehemalige hessische Justizministerin und Bundesverfassungsrichterin entschlossen, die Stelle eines neutralen Ombudsmannes im Konzern einzurichten, der als „neutraler Vermittler“ künftig in Streitfällen moderieren soll. Daimler setzt damit im Konzern beim Umgang mit möglichen Korruptionsfällen stärker als bisher auf einen Dialog mit den Mitarbeitern. „Wir wollen jetzt mit den Mitarbeitern über Integrität reden und die Ergebnisse dann in unsere neue Verhaltensrichtlinie einfließen lassen“, kündigte Hohmann-Dennhardt an. „Ich hoffe, dass wir dann ein Kompendium haben werden, das weniger Regeln, aber dafür mehr Hilfestellung und Rat bieten wird.“ Der aktuelle Verhaltenskodex von Daimler umfasst noch mehr als 1400 Regeln. Mit einem zu umfangreichen Kompendium schaffe das Unternehmen jedoch nur „ein Gestrüpp von Vorschriften, die die Mitarbeiter gar nicht mehr überschauen können“, betonte Hohmann-Dennhardt.

Das Ausscheiden des langjährigen Mercedes-Chefs in den USA Ernst Lieb am Montag soll wegen Verstößen gegen die Compliance-Richtlinien des Daimler-Konzerns erfolgt sein. Ernst Lieb soll sein Haus in der Nähe von New York auf Kosten von Daimler luxuriös ausgebaut haben, berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf einen Daimler-Manager. Außerdem habe Lieb Beiträge für einen Golfklub abgerechnet, den er privat nutzte. Der Manager war am Montag freigestellt worden. Auch soll es zu „Gefälligkeitsgeschäften“ gekommen sein, als mögliches Beispiel nannte ein Informant das Ausleihen von Autos im Gegenzug für einen Upgrade bei einer Flugreise. Im Umkreis von Mercedes USA wird darüber spekuliert, ob ein interner „Whistleblower“ die Verstöße von Lieb weitergab.

Was Kollegen und Händler in den USA den Atem verschlägt: Wie wenig man sich in Stuttgart trotz guter Leistungen für Lieb einsetzte. Nur Vertriebschef Joachim Schmidt soll ihm die Stange gehalten haben. Das reichte nicht, bei Daimler weht ein scharfer Wind. Von ganz oben ist die Leitlinie „Zero Tolerance“ vorgegeben. Doch zahlt Daimler einen Preis: Lieb genoss das Vertrauen der US-Händler – eine Beziehung, die unter seinen Vorgängern als zerrüttet galt. Mit sofortiger Wirkung führt US-Finanzchef Herbert Werner die Geschäfte, der aber als reine Übergangslösung gilt.

In den ersten neun Monaten 2011 hatte Ernst Lieb in den USA mit einem Absatzplus von 10% Prozent glänzende Zahlen vorgelegt. Sein Ausscheiden hatte deshalb zunächst Rätselraten über die Gründe ausgelöst. Die Botschaft aus der Stuttgarter Zentrale ist jedoch eindeutig: Wer sich nicht an die Regeln hält, fliegt. Ganz gleich wie erfolgreich, ganz gleich wie loyal. 36 Jahre lang war Ernst Lieb für den Daimler-Konzern tätig.

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Ein großes Geheimnis hat Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche nicht darum gemacht, dass er sich eine Frau für den neuen Vorstandsposten des Autoherstellers wünscht. Jetzt hat sich der Vorstandschef nach Informationen aus dem Konzernumfeld für die 59-jährige Verfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt als neues Vorstandsmitglied für Recht und Integrität entschieden. Die Juristin soll nach Informationen des Manager-Magazins noch im ersten Quartal berufen werden. Eine Top-Personalie mit Sprengkraft. Denn Hohmann-Dennhardts Amtszeit in Karlsruhe läuft erst Ende dieses Monats ab. Außerdem wird die Juristin dieses Jahr 60 Jahre alt und erreicht damit bereits die offizielle Altergrenze für Daimler-Vorstände.

Niemand bei Daimler wollte sich bisher zu der Personalie näher äußern undscheinbar gibt es für den Daimler-Aufsichtsrat auch noch keine Beschlussvorlage. Doch noch im ersten Quartal sollen die Kontrolleure Fakten schaffen. Schon vor zwei Jahren wollte er den Posten des Personalchefs mit einer Frau besetzen. Margret Suckale, als Frau im Vorstand der Bahn bekannt geworden, setzte sich im Aufsichtsrat jedoch nicht durch. Daimler will bis zum Jahr 2020 20 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzen. Die Führung der Kleinwagenmarke Smart und die Leitung der weltweiten Konzernsicherheit gab Zetsche schon in weibliche Hände.

Die 59-Jährige Juristin Hohmann-Dennhardt soll sich nun im Konzern speziell um Compliance und Integrität kümmern. Der Posten wird auch auf Druck der US-Börsenaufsicht SEC eingerichtet. Arbeit wartet bereits: Diese Woche durchsuchten Kartellwächter die Lkw-Sparte des Konzerns wegen des Verdachts der Preisabsprache.
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BERLIN - APRIL 14: Dieter Zetsche, CEO of Daimler AG, speaks at the company's annual shareholder's meeting at Messe Berlin on April 14, 2010 in Berlin, Germany. Zetsche told shareholders at its annual shareholder's meeting that the maker of Mercedes-Benz cars plans to grow sales at about double the rate of the global car market in 2010. (Photo by Andreas Rentz/Getty Images)

Der Autokonzern Daimler verschärft seinen Kampf gegen Korruption und schafft erstmals einen eigenen Vorstandsposten für „Integrität und Recht“. Das neue Ressort soll extern besetzt werden. Der derzeitige Leiter des Bereichs „Legal & Compliance“, Gero Hermann, kann sich damit keine Chancen auf den Posten ausrechnen. Daimler erweitert mit dem neuen Ressort seinen Vorstand auf künftig sieben Mitglieder. Bisher war das Compliance-Personal direkt dem Vorstandschef Dieter Zetsche unterstellt. Nun wird es künftig einen eigenen Platz im Führungsgremium haben. Der neue Vorstand soll das Management der globalen Rechts- und Compliance-Organisation leiten. Der Konzern wolle bei Regelbefolgung und Integrität neue Standards setzen, sagte Aufsichtsratschef Manfred Bischoff. Der Stuttgarter Autokonzern macht damit als erster Autohersteller die Bekämpfung der Korruption zur Vorstandssache.
Erst im April dieses Jahres hatten die Stuttgarter in den USA rund 180 Millionen Dollar Strafe zur Abwendung eines Korruptionsverfahrens gezahlt. Das amerikanische Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC hatten seit 2005 gegen die Daimler AG wegen Zahlung von Schmiergeldern in mindestens 22 Ländern ermittelt. Noch vor der Einigung mit den Behörden richtete Daimler bereits im Jahr 2008 ein neues Ressort Compliance ein. Auch bei den Tochtergesellschaften wachen nun spezielle Mitarbeiter über die Einhaltung von Recht und Gesetz. Außerdem wurden im Zuge der SEC-Ermittlungen mehr als 20 Mitarbeiter entlassen.
Daimler geht damit das Thema offensiv an und folgt dem Beispiel des ebenfalls von der SEC wegen Korruption verurteilten Industriekonzerns Siemens. Der Siemens-Konzern hatte bereits im September 2007 ein eigenes Vorstandsressort zur Korruptionsbekämpfung geschaffen. Auch andere mit Schmiergeldskandalen kämpfende Unternehmen wie MAN und Ferrostaal haben inzwischen eigene Compliance-Ressorts aufgebaut. Zetsche betonte, dass Daimler das Ziel verfolge, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die nicht nur die gesetzlichen Anforderungen erfüllt, sondern auch höchsten ethischen Ansprüchen genüge und beispielhaft in der Branche sei.

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