Tag: Boni

Mehrere britische Banken verhandeln derzeit mit der britischen Regierung über eine Beschränkung der umstrittenen Ausschüttungen an ihre Mitarbeiter. Die Institute sind bereit, in diesem Jahr absolut weniger Boni auszuzahlen als 2009. Experten merken allerdings an, dass die Boni 2010 ohnehin niedriger ausgefallen wären. Zum einen weil fast alle Institute im zweiten Halbjahr Rückschläge im Investmentbanking hinnehmen mussten. Zum anderen haben einige Banken die Grundgehälter kräftig erhöht und wollen im Gegenzug dafür bei den umstrittenen Boni sparen.

Im Gegenzug für die pauschalen Zugeständnisse bei den Ausschüttungen wollen die Banken grundsätzlich bei einzelnen Bankern auch weiterhin unbeschränkt hohe Boni zahlen können, um so Wettbewerbsnachteile gegenüber internationalen Instituten zu vermeiden. Auch in einem weiteren Punkt will die Regierung den Banken entgegenkommen: Die Regelung, dass Banken offen legen müssen wie vielen ihrer Angestellten sie mehr als eine Millionen Pfund bezahlen soll jetzt nur eingeführt werden, wenn auch die anderen EU-Staaten mitziehen.

BERLIN - OCTOBER 07:  (EDITORS NOTE: IMAGE WAS CREATED USING A VARIABLE PLANED LENS) The German Bundesrat, or Federal Council, stands illuminated on October 7, 2009 in Berlin, Germany. The Bundesrat represents Germany's 16 Laender, or states, and functions as a quasi-second legislative body after the Bundestag, or Federal Parliament.  (Photo by Sean Gallup/Getty Images)

Der Bundesrat billigte am Freitag schärfere Regeln für Banker-Boni. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) erhält damit mehr Eingriffsrechte und kann Bonuszahlungen auf einen bestimmten Anteil des Jahresergebnisses beschränken oder komplett untersagen. Generell sollen Bonuszahlungen stärker an den längerfristigen Erfolg eines Unternehmens gekoppelt werden.

Das neue Gesetz sieht vor, dass Vergütungssysteme von Banken künftig angemessen, transparent und auf eine nachhaltige Unternehmensentwicklung ausgerichtet sein sollen. Die näheren Einzelheiten sollen zwei begleitende Rechtsverordnungen des Bundesministeriums der Finanzen regeln.
Die schwarz-gelbe Regierungskoalition setzt damit auch entsprechende Vorgaben der führenden Wirtschaftsnationen (G20) um. Die vereinbarten Standards sehen unter anderem vor, dass ein Teil der variablen Vergütung erst frühestens nach drei Jahren gezahlt werden darf – vorausgesetzt das Unternehmen war in dieser Zeit auch erfolgreich. Garantierte Bonuszahlungen sollen nur noch in Ausnahmefällen zulässig sein.

Keine Exzesse bei Bonuszahlungen, dafür Nachhaltigkeit – dazu haben sich die deutschen Banken schon für dieses Jahr verpflichtet. Sie wollen die schärferen Bonusregeln bereits in diesem Jahr freiwillig anwenden. Das teilte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bei einem Treffen der Initiative Finanzstandort Deutschland in Berlin mit. Eine entsprechende Selbstverpflichtung sei von allen Großbanken sowie Versicherern unterzeichnet worden. Die Banken setzen damit Empfehlungen der G20 um, die in den meisten Staaten erst 2010 eingeführt werden.
Hohe Bonuszahlungen an Banker für kurzfristig erzielte hohe Renditen gelten als Hauptursache für die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise. Die G20-Regierungen wollen deshalb sicherstellen, dass Boni künftig am langfristigen Geschäftserfolg der Bank ausgerichtet werden. Im Gegensatz zu Großbritannien wird eine höhere Besteuerung bei Beibehaltung des kurzfristigen Anreizsystem daher in Deutschland abgelehnt.
Trotz der Selbstverpflichtung der Banken will die schwarz-gelbe Koalition die internationale Vereinbarung der G20 im nächsten Jahr zusätzlich in einem Gesetz festschreiben und dabei auch eine Malusregel für Misserfolge regeln. Eine generelle Sondersteuer auf Banker-Boni, wie in verschiedenen europäischen Ländern geplant oder bereits verabschiedet ist, soll in Deutschland aber nicht kommen.
Der Bankenverband akzeptiert allerdings das Vorgehen der BaFin gegen exzessive Boni. Eine freiwillige Selbstbeschränkung hatte neben Bundesbankpräsident Axel Weber kürzlich auch der Vorsitzende der Corporate Governance Kommission Klaus-Peter Müller, gefordert.

Der britische Finanzminister Alistair Darling kündigte eine einmalige Sondersteuer für die Finanzbranche an: Mit einem Satz von 50 Prozent sollen Banker-Boni der in Großbritannien ansässigen Banken besteuert werden. Dabei sollen Boni bis zu 25 000 Pfund von der Steuer ausgenommen sein. Das Gesetz tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft und gilt nur bis April 2010. NachSchätzungen des britischen Finanzministeriums wird die Sonderabgabe 20 000 Banker betreffen und rund 550 Mio. GBP Mehreinnahmen bedeuten, die die Regierung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit einsetzen will. Finanzminister Darling brachte jedoch auch seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die Banken weniger Gewinne ausschütten und stattdessen ihre Kapitalbasis stärken würden.
Die Sondersteuer auf Banker-Boni ist jedoch auch ein Wahlkampfmanöver für die im kommenden Jahr anstehenden Wahlen sein. Viele Briten sind wütend, seit vergangene Woche der britische Rechnungshof bekannt gab, dass jeder britische Haushalt mit durchschnittlich 40 000 Pfund durch die Banken-Rettungen belastet ist.
Auch die deutsche Bundesbank und die Finanzaufsicht Bafin haben vorgeschlagen, dass die Bundesregierung noch 2009 neue Gehaltsregeln für Banker einführen soll.

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