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Compliance-Verbände: Kartelle, Selbsthilfegruppen oder Feigenblätter?

In der vergangenen Woche wurde in Berlin das Deutsche Institut für Compliance (DICO) gegründet. Dies berichtet die „Rheinische Post„. Zu den ersten Mitgliedern gehören allerdings auch die in Korruptionsaffären verwickelten Konzerne Telekom, Siemens, Ferrostaal und MAN sowie Metro, Post, Talanx, Henkel, Infineon, Merck, RWE, Sanofi, SAP, ENBW und die Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG. Das Institut soll den Unternehmen mit einem Wissensaustausch helfen, neue Skandale zu verhindern. Den Vorstand bilden Manuela Mackert, Leiterin des Zentralbereichs Compliance der Deutschen Telekom, sowie Klaus Moosmayer, Chief Counsel Compliance bei Siemens.

Trotz allen Bemühungen, die den Gründungsunternehmen und den persönlich involvierten Personen nicht abzusprechen sind, bleibt ein Beigeschmack.

Hat sich in all diesen Unternehmen tatsächlich eine ganz neue Kultur etabliert? Oder sind die Complianceofficer (auch) dort noch ganz am Anfang? Haben die Zusammenschluss eher Selbsthilfegruppencharakter , weil sie Complianceofficern Argumentationshilfe geben, die im eigenen Unternehmen nicht genug Unterstützung haben? Oder noch schlimmer: Sind die Vereinigungen nur Feigenblätter oder Compliance-Kartelle?

Das Institut ist nicht der erste Zusammenschluss dieser Art. Erst Anfang des Monats taten sich in Frankfurt mehrere Compliance Officer und Anwälte zum Bundesverband Deutscher Compliance Officer (BDCO) zusammen. Da es ein weiteres wichtiges Ziel des DICO ist es, möglichst viele Branchen in ihrer ganzen Breite abzubilden, sieht es sich auch nicht in Konkurrenz zum BDCO. Ein gewisser Wettbewerb wird sich aber vermutlich einstellen, denn auch die Compliance-Gruppe des Bundesverbands der Unternehmensjuristen (BUJ) verfolgt ähnliche Ziele.

Compliance-Zusammenschlüsse müssen an sich selbst höchste moralische Ansprüche stellen. Ein Zusammenschluss, an dessen Spitze ausgerechnet solche stehen, die lange eine ganz andere Politik verfolgt haben, tut sich damit nicht unbedingt einen Gefallen. Das gleiche gilt für die Einbeziehung von Beratern und Beratungsgesellschaften. Ist es wirklich sinnvoll, sich mit der eigenen Mandantschaft zu verbrüdern? Die Frage ist dabei gar nicht, ob durch derartige Verquickungen tatsächlich Unabhängigkeit gefährdet und Interessenkollisionen entstehen – sondern ob diese durch die Struktur begünstigt werden. Aufgabe von Compliance und integren Complianceofficern ist für mich nämlich, derartige Strukturen und den Anschein sachfremder Erwägungen von vornherein zu verhindern. Nur derjenige Zusammenschluss wird nachhaltig erfolgreich sein, der über ein Selbstverständnis und Strukturen verfügt, die über diese Zweifel erhaben sind.

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