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Obwohl rund 85% aller Finanzinstitute einen Risikomanager beschäftigen, haben 25% dessen Aufgabenfeld auf passive Kontrollfunktion beschränkt. Zu diesem Ergebnis kommt eine amerikanische Risk Governance Studie, die in dieser Woche in New York von Capital Market Risk Advisors (CMRA) und der Professional Risk Managers International Organisation (PRMIA) veröffentlicht wurde.
Hauptsorge der Risikomanager in den USA sind aktuell gesetzliche Veränderungen der Anforderungen. Erst auf Platz 2 und 3 folgen Inflationsrisiken und Kreditverluste. Preisschwankungen, die im vergangenen Halbjahr hinter Kreditverlustrisiken noch auf Platz 2 rangierten, spielten in der aktuellen Umfrage kaum noch eine Rolle.
Ein interessantes Ergebnis der Studie war auch, dass sich bisher nur wenige Aufsichtsratsgremien das spezielle Wissen ihrer Risikomanager zunutze machen. Zwar entscheiden in 60% der befragten Unternehmen die Aufsichtsratsgremien über die Risikopolitik, aber nur 16% der Risikomanager haben eine Berichtspflicht gegenüber dem Aufsichtsrat. 20% der Risikomanager gaben sogar an, nie an Aufsichtsratssitzungen teilzunehmen. Hier besteht noch erhebliches Entwicklungspotential. Die Studie sieht hier jedoch bereits eine eindeutige Tendenz zu einer stärkeren Einbeziehung der Risikomanager.

Nestor Advisors, ein Londoner Beratungsunternehmen, das sich vorwiegend mit Fragen von Corporate Governance beschäftigt, hat eine Studie über die Aufsichtsorgane der 25 führenden Banken Europas in der Finanzkrise veröffentlicht. Dazu zählen unter anderem auch die Deutsche Bank und die Commerzbank. In der Studie fordern die Verfasser eine Professionalisierung der nicht-geschäftsführenden Directors, sprich der Bankaufsichtsräte, „um ein Niveau ehrlichen und kritischen Nachdenkens zu erreichen, das für eine bessere Risikosteuerung notwendig ist“.
Die Forderungen sind allesamt nicht neu. Dennoch ist bemerkenswert, dass trotz der Unterschiedlichkeit der Aufsichtssysteme in Europa, scheinbar systemübergreifend gültige Verbesserungsvorschläge erfolgen können:
Die Bank Boards sollten nach Auffassung der Nestor Advisors mehr Experten aus dem Finanzsektor einbeziehen. Hier könnte Deutschland mit dem „Financial Expert“ auf dem richtigen Weg sein. Interessant ist aber auch, dass Nestor Advisors fordert, die Banken sollten von Ihren Aufsichtsorganen einen höheren Arbeitseinsatz einfordern, obwohl diesbezüglich im vergangenen Jahr bereits eine eindeutige Entwicklung zu verzeichnen gewesen sei. Weiterhin wird gefordert, dass die Banken anderweitige Engagements ihrer Aufsichtsratsmitglieder, etwa in anderen Aufsichtsräten, beschränken sollten. Dadurch würde sich ein begrüßenswerter Wettbewerb um die besten Aufsichtsräte entwickeln. Hier seien die Gesetzgeber der einzelnen Staaten gefordert, geeignete Regularien für Bank-Aufsichtsorgane zu entwickeln. Wiederum ein Ansatz, der in Deutschland bereits angegangen wurde. Obwohl sich Nestor Advisors der aktuellen Sensibilität des Themas bewusst sind, fordern sie auch, dass Aktionäre trotz der aktuellen Diskussion über Managervergütungen über eine Anhebung der Vergütung für ihre Aufsichtsräte nachdenken sollten.
Einige der Aufsichtsmängel, die maßgeblich zur Finanzkrise beigetragen haben, seien ohne großen Aufwand abzustellen. Generell lasse sich sagen, dass den Bank-Aufsichtsorganen schlicht die Übersicht gefehlt habe. Nestor Advisors fordert jedoch auch eine Deregulierung. Aufsichtsräte bräuchten nicht noch mehr Kontrollbefugnisse, sondern mehr Gestaltungsraum bei der Zusammenarbeit mit dem handelnden Vorstand.
Die Studie ist im Internet hier abrufbar.

In einem Interview mit dem Handelsblatt hat der Managementexperte und Bestsellerautor Fredmund Malik den Kapitalismus für gescheitert erklärt.
Neben der Konzeptionslosigkeit der Politik bemängelt er auch die Entwicklung der Managerhaftung. Malik kritisiert die finanziellen Maßnahmen, insbesondere die Zinssenkungen, da niedrige Zinsen aus seiner Sicht die Krise maßgeblich mitverursacht hätten. Malik, der als scharfer Kritiker der Shareholder-Value-Idee gilt, erwartet als Lehre aus der Wirtschafts- und Finanzkrise eine neue Menschlichkeit:
“Die Lösungen werden nicht aus der Ökonomie, auch nicht von den Regierungen kommen. Die Menschen werden lernen, sich gegenseitig zu helfen. Ich denke wir werden eine neue Menschlichkeit erleben. Das neue Kapital ist Wissen, während Geld an Bedeutung verlieren wird. Der krasse Egoismus der letzten Jahre wird sozial geächtet sein. Menschen Sinn zu ermöglichen wird wichtiger.”
Ist Maliks Ansatz von der neuen Menschlichkeit das Erfolgrezept der Manager von morgen oder doch nur eine allzu optimistische Vision?

Wie passt das zusammen? Erst sprechen alle von der Verantwortungslosigkeit der Banker, weil diese leichtfertig Kredite vergeben haben – und jetzt reden alle von der Verantwortungslosigkeit der Banker, weil diese zu zögerlich Kredite vergeben. Die Politik ist außer sich, weil die Banken angeblich Geld horten, das sie fast zum Nulltarif bekommen. So einfach ist es aber nicht. Tatsächlich haben die Banken in Deutschland in den ersten Monaten des Jahres ähnlich viele Kredite vergeben wie im Vorjahr. Und das bei „verschärften“ Bedingungen. Dennoch droht als Folge der Rezession eine Kreditklemme und auf die Kreditwirtschaft rollt eine Abschreibungswelle zu. Folge der sinkenden Kreditwürdigkeit der Kunden ist, dass die Banken Firmenkredite mit mehr Eigenkapital unterlegen müssen. Das frühere Instrument zur Verteilung solcher Risiken, der Markt für Verbriefungen, ist durch die Krise tot. Kreditrisiken werden also teurer und Banken bei der Kreditvergabe zurückhaltender. Ist das nicht die logische Folge die verantwortungsvolle Banker aus der Krise ziehen müssen?
Und welche Konsequenz zieht die Politik? Ob und in welchem Ausmaß tatsächlich eine Kreditklemme vorliegt, kann zum heutigen Zeitpunkt dahinstehen. Klar ist jedenfalls, dass Bundesbank und Regierung schon aufgrund ihrer Sorgfaltspflicht die für den Fall einer Kreditklemme notwendigen Instrumente erörtern müssen. Aber erfordert diese Sorgfaltspflicht nicht auch die entsprechende Vertraulichkeit dieser Gespräche? Sollte die Politik von Notlagen und Kreditklemmen reden, wenn diese noch gar nicht vorliegen? Die Kreditsumme ist in den vergangenen Monaten nicht gesunken. Die Banken könnten aus Sicht der Konjunkturpolitiker natürlich freigebiger Geld verleihen, aber gibt es für die Zurückhaltung nicht gute Gründe?
Wir brauchen verantwortungsvolle Banker, die sich der Auswirkungen ihres Handelns bewusst sind. Das gilt aber erst recht für Politik und Bundesbank. Diese vorschnellen öffentlichen Diskussionen über die Kreditversorgung hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung treffend als „fahrlässiges Palaver“ bezeichnet. Wer verantwortungsvolle Banker will, muss eben auch selbst verantwortungsvoll handeln – und den neuen Preis fürs Risiko bezahlen.

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